Der Sommer macht den Menschen
zum Träumer.

(Paul Keller, 1873-1932)

Gedanken + Geschichten

schöne texte, sommerlich leicht, nachdenklich ernst, lebendig abschiedlich, sowie gute sprüche und gedichte.

Auf dieser Seite:

Sommergedichte:

Endlich

Endlich, ein zwei freie Tage und nichts vorhaben.
Mal im Garten weilen und Träume teilen.
Ein Bierchen, vielleicht ein Eis, alles ohne Wille.
Doch da, der Nachbar bricht die Stille,
mäht mit seiner motorlauten Sense,
man könnte meinen Gänse.
Wer hat's erfunden, möchte man schreien,
wo man sich gerade eingestellt hat, sich zu freuen.
Wer hört noch rauschende Bäume, gar Gras,
die Gier nach laut ist wie ein Frass.
Gebaut wird hier und dort und da,
kein Gras ist bald mehr da.

Wie macht der Mensch dem Mensch das Leben schwer,
in seiner Gier nach immer mehr und mehr und mehr...

(© M.B. Hermann)

E S0 W A R 0 E I N M A L ...
... eine kleine Biene, die hiess Luna. Luna war gerade im Landeanflug. Fröhlich surrend kam sie aus dem blauen Himmel. Eine schöne Blume hatte es ihr angetan. Was für ein Duft, dachte sie. Einfach herrlich. Da gehe ich jetzt mein Mittagessen naschen. Das wird wunderbaren Honig geben. Sie kreiste noch zwei dreimal um die Blume herum und erquickte sich an ihrer Schönheit. Die Beinchen hatte sie schon ausgefahren, jetzt nur noch auf die Blüte sitzen. Wird schon, dachte sie. Und plumps landete sie am Boden. Aua!
Sie purzelte hin und her und konnte sich endlich an einem Grashalm festhalten. Etwas benommen schaute Biene Luna um sich. Mann, ist das laut hier. Das halten meine sensiblen Öhrchen nicht mehr lange aus. Und wo ist denn jetzt meine schöne Blume? Traurig guckte Luna übers Feld und sah ganz hinten einen Mann mit einem grossen lauten Gerät, welches das Gras abmähte.
Oh mein Gott, dachte sie. Alle Blümchen weg. Kein Mittagessen und auch noch verletzt. Sie weinte und weinte und weinte.
Da kam ein fröhlich pfeiffender Bub übers Feld und sah die purzelnde Biene. Schnell holte er ein Blatt Papier aus seiner Tasche und hielt es der Biene vor die Füsschen. Das Angebot nahm Luna dankend an. Sie krabbelte aufs Papier. Was jetzt passieren wird, wusste sie nicht. Sie liess es geschehen, denn schlimmer konnte es nicht mehr werden. Langsam lief der Junge mit der kostbaren Fracht übers Feld zu den Bäumen. Dort lehnte er das Blatt wie eine Brücke an die grösste Blüte. Jetzt konnte die kleine Biene auf die Blüte krabbeln und sich mit dem Nektar stärken. Welch ein Glück!
Tschüss kleine Biene und gib auf dich acht, sagte der Bub und winkte als er sich umdrehte und seines Weges ging.
Tschüss guter Junge und gib auch auf dich acht und trage weiterhin Sorge zu den Blumen und den Bienen. Bravo, das hast du gut gemacht.

(© Monika Minder)

Sommermorgen

Ein Kelch, ein Blatt, ein Dorn
An irgendeinem Sommermorgen –
Ein Schälchen Tau – Bienen, ein oder zwei –
Ein Windhauch – Rascheln in den Zweigen –
Und ich bin eine Rose!

(Emily Elizabeth Dickinson, 1830-1886, US-amerikanische Lyrikerin)

Die ganze Erde ist auf Verbrauch eingerichtet, wie solltest du allein darin ohne Not sein? Der Vogel lebt in Angst, der Wurm wird versehrt, der Biene Hochzeitsflug wird von irgend einem Räuber vernichtet, und du willst allein glücklich sein, da, wo kein Tier glücklich ist, und zufrieden, ohne Angst leben darf.

(Carmen Sylva, 1843-1916)

Sommergedanken

Den Sommer geniessen
Vögel und Schmetterlinge beobachten
Gezwitscher und Gekreische wahrnehmen
Dösen
Lauen Wind fühlen
Blätter tänzeln sehen
Wolken, die vorbeiziehen
Gedanken und Gefühle zulassen
Aushalten
Geduld
Sein I

Können das Menschen noch geniessen,
die ständig in ihr digitales Gerät schauen?

Ob die nächste Generation mal fragen wird:
Was ist Wetter? Was ist Natur?

(© Monika Minder)

Gebannt

Du Unbekannte, die ich zwischen den Tänzen traf,
Nun lehnen wir an Säulen . . unsre Augen tanzen nun,
Und doch umschleiert uns ein Schlaf,
Ein zähes Ruhn.

O daß wir schweigen müssen wie zwei Tiere, du!
Wir schütteln unsre Herzen, wir begreifens nicht,
Was sieht uns so gewaltig zu,
Daß keiner spricht?

O nicht die Kleider nur und Säle, die uns dick
Umstelln, uns leidenschaftlich Nackte! nicht der Wust
Der Leute, der mit schwarzem Blick
Die Freude rußt:

An unsichtbare Grenzen auch anstoßen wir,
In feindlich lachenden Tänzen gehn und zischeln grell
Gespenster zwischen dir und mir:
Seid nicht so schnell . .

Doch unser Herz: . .  Ihr lebt auf Erden, schnell zu sein!
So tanzt ihr schön . . und schwingt hoch über des Todes Wand!
Und da im Abschied faßt sich ein
Mal unsre Hand.

(Alfred Wolfenstein 1883-1945, expressionistischer Lyriker)

Die Zeiten sind in uns und nicht wir in ihnen.

(Ernst Barlach, 1870-1938)

Im Garten

Im Garten
Ein gedecktes Tischlein
Unter einem Bäumlein
Im Schatten
Erzählt von Liebe
Und verspricht
Einen schönen Sommertag
Gebührend zu verabschieden.

(© Monika Minder)

So die Rosen in Sommertagen, wie das Herze im engen Schrein: Beide brauchen zum Knospentragen sorgende Hand und Sonnenschein.

(Ernst Barlach, 1870-1938)

Reisezeit

Im Sommer fahren viele Leute ans Meer oder sie fliegen. Das ist heute ja extrem billig. So können es sich viele Menschen leisten. Das ist sozial. Auch, dass dann alle Schuld an der Klimaerwärmung haben können. Das ist gerecht. Daran denken aber die Reisenden nicht. Jedenfalls gerade dann nicht, wenn es in die Ferien geht. Da hört eh alles auf. Sogar die Liebe zum Fifi. Alltag hinter sich lassen, da kann man wirklich kein Haustier brauchen. Interessant, was alles ausgeblendet werden kann. Hauptsache weg und hauptsache billig, billiger, am Billigsten. So möchte denn auch dieser Mensch am Urlaubsort weder mit einem kläglichen Bellen, noch mit sterbenden Bäumen, asozialen Arbeitsbedingungen oder sonstigen unschönen Alltäglichkeiten des Ferienlandes konfrontiert werden. Wahrscheinlich wurden deshalb "Touristenhochburgen" gebaut. Damit Mensch abgeschirmt ist von der Realität. Damit er nicht sehen muss.

Mit diesem Verhalten wird nicht nur Qualität ausgerottet, sondern auch soziale Orientierung.

(© Monika Minder)

Je weiter du rennst, desto weniger kennst du. Der Weise versteht die Welt, ohne zu reisen.

(Laotse, um 6.Jh.v.Chr.)

Im Gehen

Ich summ' ein Lied im Gehen,
Hell hallt mein Schritt in Straß' und Tor.
Die alten Häuser sehen
Tief schweigsam in die Nacht empor.
Und plötzlich bleib' ich stehen,
Im Herzen wird's mir seltsam warm,
Als könnt' ich Eine sehen,
Als hielt' ich Eine noch im Arm.
Mußt' in ein Fenster lauschen:
Mir war, als ob wer zu mir sprach.
- - - - - - - - - - - - - - - -
Fern hör' ich Bäume rauschen -
Und gehe meiner Sehnsucht nach.

(Emil Alphons Rheinhardt 1889-1945, österr. Lyriker)

Die Form ist alles. Sie ist das Geheimnis des Lebens. Gib der Trauer Ausdruck, und sie wird dir teuer. Gib der Freude Ausdruck, und sie vertieft dein Entzücken. Willst du Liebe empfinden? Dann stimme eine Liebeslitanei an, und die Worte werden jene Sehnsucht hervorrufen, von der die Welt glaubt, daß sie ihr entströmen. Zernagt Gram dein Herz? Dann tauche in die Sprache des Grams ein, lerne ihren Ausdruck von Prinz Hamlet und der Königin Constantia, und du wirst entdecken, daß der reine Ausdruck eine Form der Tröstung ist und daß die Form, die der Ursprung der Leidenschaft ist, gleichzeitig den Tod des Schmerzes bedeutet.

(Oscar Wilde, 1854-1900)

Ohne mich

Mittlerweile
kann ich das,
die Beine auf den Tisch legen
und in den Himmel schauen,
und nichts anderes,
und nichts mehr,
nur sein und schauen,
sonst gar nichts.
Denn grosse-kleine Dinge
können auch mal ohne mich
ihren Lauf nehmen.

(© Monika Minder)

Ruhe ist Glück – wenn sie ein Ausruhen ist, wenn wir sie gewählt, wenn wir sie gefunden, nachdem wir sie gesucht; aber Ruhe ist kein Glück, wenn sie unsere einzige Beschäftigung ist.

(Carl Ludwig Börne, 1786-1837)

Sommer

Was an Frauen selten sich erfüllte,
Schenkt dies weiß in Wolken eingehüllte
Dunkel, das mich einsam glücklich macht,
Und ich feiere Liebesnacht
Mit dir, o Nacht.

Atme ganz dich ein, von Duft umschlungen,
Der mich traumhaft küßt mit Blumenzungen,
Einmal zeitvergessen! Park entlang,
Widerhallt auf meinen Gang
Verborgener Sang

Alles nun erwidert auf mein Schweigen,
Stern ruft Stern, wenn kaum die Augen steigen,
Keine Frau war zärtlicher, und nie
War Begleitung innig wie
Die Melodie.

Jeder Schritt ist dicht von dir umlegen,
Tausend Brüste hebst du mir entgegen
Niemand kommt, und selbst kein Fenster wacht,
Und ich feiere Liebesnacht
Mit dir, o Nacht.

(Alfred Wolfenstein 1883-1945, expressionistischer Lyriker)

Dunkel umfängt uns rings, doch, steigt die Sonne der Liebe, über des Abgrunds Nacht, spielen die Falter des Glücks.

(Wilhelm Hertz, 1835-1902)

Dem Himmel zuhören

Dem Himmel zuhören,
still sein,
damit Gegenwärtigkeit
die Zeit verdrängt.

(© Monika Minder)

Greife schnell zum Augenblicke! Nur die Gegenwart ist Dein.

(Karl Theodor Körner, 1791-1813)

Was ist Liebe?

Gar ängstlich zagen, kühn sich überwinden,
So zart wie hart sein, trotzig und ergeben,
Im Dunkel sterben, heiter fröhlich leben,
Voll Falschheit trügen, traulich sich verbinden,

Nicht Ruhe außer seiner Liebe finden,
Bescheiden, stolz, in Lust und Leiden schweben,
Sich muthvoll zeigen, feig zurücke beben,
Befriedigt ruhen, sich verletzt empfinden,

Das Auge schließen vor der Wahrheit Strahlen,
An Gift sich, statt an süßem Weine laben,
Den Schaden suchen und den Nutzen missen,

Vom Himmel träumen in der Hölle Qualen,
Sein Dasein an ein Truggebilde setzen -
Heißt Lieben. Wer's erfahren, wird es wissen.

(Lope de Vega 1562-1635, spanischer Dichter)

Übersetzt von Edmund Dorer 1831-1890.

Leidensfähigkeit ist Lebensinnigkeit, Lebenstiefe. Darum ist die Fähigkeit, zu leiden, eng verbunden mit der Fähigkeit, zu lieben.

(Ludwig Reeg, 1866-1941)

Hitzetag

Wenn nur jemand käme
und dieser Hitze das Genick brechen würde,
damit der Wind den Verstand kühle.
Wir meinen
alles in den Händen halten zu können,
sprechen von Lieben
und glücklich werden bis ins hohe Alter.
Dabei riecht es überall nach welken Blüten.

(© Monika Minder)

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